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OLE UKENA ///////// FLASHBACK

Die Einzelaustellung “Flashback” des Berliner Künstlers Ole Ukena schaut zurück auf die eigenene künstlerische (Werte-)Entwicklung und untersucht in Zeichnungen, Videos und Fotografie die Relation zwischen kindlichkreativer Intuition und anspruchsvollem künstlerischem Arbeiten. Er ist Meisterschüler von Lothar Baumgarten und hat in diesem Jahr die Universität der Künste Berlin mit Auszeichnung abgeschlossen.

Die fotografische Arbeit "Dialog mit der Jugend" bildet den Ausgangspunkt einer Werkreihe, die sich größtenteils auf eigene Arbeiten aus der Kindheit bezieht. Eine analoge Fotokopie aus dem Jahre 1989 des damals sechsjährigen Künstlers hängt Seite an Seite mit einem digitalen Scan aus dem Jahre 2009. Die Nase liegt flachgepresst auf der Glasoberfläche, das Licht des Kopierers lässt die aufliegenden Gesichtspartien heller aufleuchten. Verschmitzt lächelt Ukena dem Betrachter entgegen. Die spontane Geste des Kindes wird aufgegriffen und mit der kontemporären medialen Entsprechung in die heutige Zeit überführt. Ein Kaugummi verbindet die beiden Fotografien, wie, um zu sagen: “Ich kaue immer noch auf den gleichen Sachen rum. Oder schon wieder?”

Auch der "Pustekuchen Epos", eine Reihe filigraner schwarzweisser Tuschezeichnungen, basiert auf einer Zeichnung aus der Kindheit. Tusche wird mit Hilfe eines Strohhalms über die Blätter gepustet, ein Teil der Kontrolle wird ein Stück weit abgegeben und aus den im Prozess intuitiv entstandenen organischen Konturen wird nun eine kontrollierte Formensprache entwickelt. Die Bilder können als grosses Ganzes gelesen werden und eröffnen zugleich bei genauerem Hinsehen einen Mikrokosmos aus ineinander verwobenen Charakteren, Figuren, Bezügen und Handlungen, der sich im Bildinneren abspielt. Geometrische Grundformen, werden in ihrer Deutungsweise durchdekliniert: Das schwarze Rechteck, welches in dem einen Bild als Auge einer Giraffe gedeutet werden kann, verwandelt sich in den Fuss eines Tausendfüsslers, um im nächsten Bild eine weitere Deutungsmöglichkeit zu offenbaren. So wie sich Ansichten und Überzeugungen im Prozess des Erwachsenwerden ändern, so liefert jede Zeichnung eine neue Perspektive auf immer wiederkehrende Formen. Ein eindeutiges Alphabet kann nicht erstellt werden, sondern der Betrachter wird aufgefordert, für jede Zeichnung den Schlüssel zur Dechiffrierung zu finden und ihn gleichzeitig am Ende dieses Prozesses wieder abzugeben, um der Entdeckungsfreude in der nächsten Zeichnung wieder freien Lauf zu lassen.

Genau dieses Entdecken, Staunen und Wundern ist Thema der Videoarbeit “Planet Little Wonder”. Ukena reiste mehrere Monate durch entlegene asiatische Berggegenden und stellte, wo immer er auf Besiedlungen traf, die Kamera mit dem LCD-Bildschirm nach vorne gerichtet auf. Die Kinder, die in einem sozialen Umfeld ohne mediale Präsenz aufwachsen, erspähen dieses digitale Raumschiff und somit auch sich selbst zum ersten Mal auf einem Bildschirm und reagieren auf ihr flimmerndes Pendant. Gestiken und Mimik erinnern uns an die kindliche Faszinationsfähigkeit die in einer informationsüberfluteten Gesellschaft immer weiter abzustumpfen scheint.

Die künstlerische Kontrolle wird in Ukenas interaktiver zeichnerischer Arbeit “Der realistischste Ausserirdische dieses Planeten” komplett abgegeben. Ukena´s Schlüsselerlebnis für die folgende Arbeit geht zurück in die Schulzeit. Die Aufgabe seines Kunstlehrers lautete: Male einen Außerirdischen! Ukena bekam eine Fünf mit der Begründung, so sähen Außerirdische doch gar nicht aus.

Die Austellungsbesucher werden aufgefordert, an einem Malwettbewerb teilzunehmen und den “realistischsten” Ausserirdischen zu malen. Nach welchen Wertemasstäben dies zu beurteilen ist, bleibt offen und zwingt den Besucher sein eigenes Wertesystem zu hinterfragen. Wie in vielen Arbeiten aus Ukena´s Werk, welches oft mit Materialien oder Ideen aus Kindheitserinnerungen arbeitet, hinterfragt er auch in dieser Arbeit den Ist-Zustand der Erwachsenen(-Kunst)-Welt und überlässt jedoch dem Betrachter die eigenen Schlüsse. Das Scheinwerferlicht des künstlerischen Schaffens richtet sich zurück auf den Betrachter und damit auf den Punkt der eigenen Wertevorstellung. In 20 Jahren sollen die Ausserirdischen erneut ausgestellt und die Zeichner benachrichtigt werden. Der Flashback ist vorprogrammiert.

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Flashback (Psychopathologie)

Ein Flashback (englisch, blitz(artig) zurück, sinngemäß übersetzt etwa Wiedererleben oder Nachhallerinnerung) ist generell ein Wiedererleben früherer Gefühlszustände und kann durch Schlüsselreize hervorgerufen werden. Sie gelten als Symptom posttraumatischer Belastungsstörungen. In der Psychotraumatologie werden sie auch Intrusionen genannt. Der Begriff wird auch benutzt, um das Wiederkehren eines Rauscherlebnisses zu beschreiben, das durch Drogen erzeugt wurde, jedoch ohne erneute Drogeneinnahme erfolgt. Flashbacks drängen sich dem Betroffenen auf, der sich nicht gegen die begleitenden Erinnerungen oder Gefühlszustände erwehren kann.
(Wikipedia)